Heilkunst der Völven

Die Völven waren auch als Heilerinnen tätig, insofern kann man durchaus von der Heilkunst der Völven sprechen. Vermutlich haben sie sich jedoch auf kleinere Verletzungen bis hin zu Knochenbrüchen und Verrenkungen beschränkt.

Heilkunst der VölvenBild links: Odin zwingt eine tote Völva Balders Traum zu deuten. Traumdeutung gehörte der Überlieferung nach ebenfalls zu den Aufgaben der Völven.

Überliefert ist eine Grundrezeptur für eine Heilsalbe, bei der für verschiedene Anwendungen einfach der Pflanzliche Anteil ausgetauscht wird. Als Trägersubstanz diente Schmalz von Geflügel (Hühner, Enten oder Gänse), aber auch vom Schwein. Später wurde auch Ziegenbutter verwendet.

Die Grundrezeptur ist denkbar einfach. Schmalz und getrocknete Pflanzen werden im Verhältnis 1:1 gemischt. Auf die Menge von ca. 75 ml kam dann noch ein Teelöffel Bienenwachs hinzu. Heute wird statt Schmalz Ziegenbutter oder Kokosfett verwendet und das Bienenwachs meist weggelassen. Es dient ohnehin nur der besseren Festigkeit. Wird die Salbe im Kühlschrank aufbewahrt, ist Bienenwachs nicht erforderlich.

Die Pflanzenbestandteile werden bei Zimmertemperatur getrocknet und anschließend zerkleinert. In luftdicht verschlossenen Behältern können sie mehrere Monate aufbewahrt werden.

Zubereitung

Das Trägermaterial (Schmalz, Ziegenbutter oder Kokosfett) wird über 70°C erhitzt und verflüssigt, darf aber nicht kochen. Dann wird die gleiche Menge an getrockneten und zerkleinerten Pflanzen hinzugefügt. Unter ständigem Rühren bleibt die Mischung für ca. eine Stunde bei über 70°C. Die Mischung wird dann durch ein Tuch oder auch einen Kaffeefilter gegossen und in kleine Gläser mit Schraubdeckel gefüllt. Darin lässt man sie abkühlen, verschließt dann die Gläser und lagert sie kühl und dunkel. Im Kühlschrank aufbewahrt ist die Salbe ein bis zwei Jahre haltbar.

In älteren Aufzeichnungen wird empfohlen, während der ganzen Prozedur die Wanengöttin Freyja um Beistand zu bitten. Nach dem 18. Jahrhundert heißt es jedoch: „Wenn die Heilkunst der Frau (der Völva) nicht genüge, so möge sie die Göttin nicht mit ihrer Unfähigkeit belästigen.

Anwendung (Beispiele)

Echte Kamille (Matricaria chamomilla): Erntezeit der Blütenkörbchen von Mai bis September. Anwendung bei Blähungen, Haut- und Schleimhautentzündungen sowie Menstruationsbeschwerden.
Hundsrose (Rosa canina): Erntezeit der Früchte (Hagebutten) im Spätherbst. Anwendung der getrockneten Schale bei Blasen- und Nierenleiden und bei Erkältungskrankheiten.

Heilkunst der VölvenBild rechts: Geöffnete und geschlossene Knospe.

Schwarzer Holunder (Sambucus nigra): Erntezeit der Blüten von Mai bis Juni. Anwendung bei Erkältung und Fieber.
Sommerlinde (Tilia platyphyllos): Erntezeit der Blüten im Juni bis maximal fünf Tage nach dem Aufblühen. Anwendung bei Rheuma, Nierenentzündung, Rücken- oder Kreuzschmerzen (Hexenschuss).
Spitzwegerich (Plantago lanceolata): Erntezeit der Blätter ganzjährig. Anwendung bei Entzündungen der Haut, Insektenstichen, oberflächlichen Hautverletzungen.
Weiden (alle Arten): Erntezeit der Borke (Rinde) von März bis September. Anwendung bei Rheuma und Fieber, wirkt Schmerzlindernd.
Zitterpappel (Populus tremula) und Schwarz-Pappel (Populus nigra): Erntezeit der Knospen je nach Witterung im Februar/März, jedoch bevor sie sich öffnen. Anwendung bei Rheuma und Gelenkschmerzen, leichten Verbrennungen (Sonnenbrand), Nervenschmerzen und Insektenstichen.
Eine ähnliche Rezeptur mit den Knospen von Balsam-Pappeln ist auch von dem griechischen Arzt Galenos von Pergamon aus dem 2. Jahrhundert überliefert.


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