Religion und Runen im Verhältnis zueinander

Als moderne Runer sind wir heute von der nordischen, kontinentalgermanischen und keltischen Mythologie und Religion beeinflusst. Selbst der sibirische und samische Schamanismus und später sogar Wicca und Paganismus übten Einfluss aus.

Die eigentliche Runenarbeit hat sich dadurch nur unwesentlich verändert. Wir sind durch diese Einflüsse auch nicht zu Hexen oder Neuheiden geworden. Wir bleiben Runer mit unseren ganz eigenen, teils sehr individuellen Beziehungen zu Göttern und Wesen. Vorschriften und Regeln bezüglich einer Religion gibt es bei uns nicht.

Rituale & Religion

Aus den ältesten Aufzeichnungen sind das Odinsritual und das Ritual der Völva bekannt. Das Odinsritual war ursprünglich jährliche Pflicht für jeden Runer. Nach der Aufteilung in die vier Spezialisierungen blieb es Pflicht für die runischen Schamanen.

Die Völva galt ursprünglich als die einzige Spezialisierung der Runer. Für sie galten besondere Ansprüche. So musste das Pflichtritual der Völva viermal jährlich durchgeführt werden.

Mit der Einteilung in die Spezialisierungen Schamane, Heiler und Krieger im 18. Jahrhundert wurden Pflichtrituale für Heiler und Krieger geschaffen.

Weitere Rituale sind teils bereits seit dem 17. Jahrhundert bekannt. Es lässt sich jedoch nicht mehr klären, ob sie neu geschaffen bzw. übernommen wurden oder ob sie bereits früher bekannt waren. Bei allen diesen Ritualen werden bestimmte nordische Götter angesprochen. Das verpflichtet einen Runer jedoch nicht zum Heidentum oder einer anderen Religion.

Feste

In den ältesten Aufzeichnungen werden die Sonnenwenden und die Tagundnachtgleichen (Sonnenfeste) benannt. Neben den Feierlichkeiten waren sie hauptsächlich Termine für Ritualmagie.

Die Mondfeste Imbolc, Beltaine, Lammas (Lughnasadh) und Samhain feiern wir erst seit Anfang des 20. Jahrhunderts.

Religion Wicca Jahresrad

Entwicklung

Der Umgang mit Runen, das Anfertigen von magischen und Ritualgegenständen folgt festen Regeln. Durch neue Erkenntnisse wurden diese Regeln immer wieder angepasst. Grundsätzliche Änderungen gab es jedoch nicht.

Im öffentlichen Auftreten leben wir im hier und jetzt. Wir fahren mit dem Auto oder dem öffentlichen Nahverkehr zum Ritualplatz. Wir tragen Alltagskleidung und tun nicht so, als wären wir „alte Germanen“. Die Opfergans kaufen wir auf dem Bauernmarkt. Zur Not aber auch beim Discounter. Im Umgang mit den Göttern halten wir es ähnlich, wie die Neuheiden: Wir knien nicht demütig sondern stehen aufrecht und streiten mit ihnen, wer das letzte Stück Kuchen bekommt. Und manchmal gewinnen wir sogar.