Rituale – heidnische und runische Rituale, Ritualmagie

Ein Ritual (von lateinisch ritualis‚ den Ritus betreffend‘, rituell) ist eine nach vorgegebenen Regeln ablaufende, meist formelle und oft feierlich-festliche Handlung mit hohem Symbolgehalt. Sie wird häufig von bestimmten Wortformeln und festgelegten Gesten begleitet und kann religiöser oder weltlicher Art sein (z. B. Gottesdienst, Begrüßung, Hochzeit, Begräbnis, Aufnahmefeier usw.). Ein festgelegtes Zeremoniell (Ordnung) von Ritualen oder rituellen Handlungen bezeichnet man als Ritus. Rituale gelten als Kulturgut. (Quelle: Wikipedia)

Rituale und Runen

Rituale (Beispiele)

Hamingja, Ritual der Völven
Pflichtritual runischer Heiler
Weljakwuman, Ritual der Familien
Der Ahnenteller, Ritual & Ritualgegenstand
Odinsopfer Pflichtritual runischer Schamanen
Ritual der Ahnen, Die Kraft der Vorfahren

 

Rituale und Christentum

In unserer christlich geprägten Welt ist der Zusammenhang von Ritualen mit dem Gott klar: Sie dienen seiner Huldigung und Verehrung. Gott hat die Gebote erlassen, die Menschen (seine Kinder) halten sich daran, und alles ist gut. Tun sie es nicht, so straft Gott sie mit seinem Zorn. Um das zu verhindern und ihn wieder wohlwollend zu stimmen, vollziehen die Sünder Rituale. Es wird ein Lamm geopfert; man kniet nieder, faltet die Hände, senkt den Kopf und betet. Der sonntägliche Kirchgang, die Heilige Messe, Gottesdienst, Liturgie und eine Reihe weiterer Riten gehören zum Christentum.
Es liegt uns fern, dieses Vorgehen zu werten. Für gläubige Christen ist es gut und richtig so und nur das zählt. (Siehe auch Religion & Runen)

Rituale

Rituale und Runen

Die Vorstellung vom „besänftigen“, „günstig stimmen“ und „Sühne tun“ wird häufig auch auf den Sinn von runischen und heidnischen Ritualen übertragen. Um es mal streng wissenschaftlich zu formulieren: Das ist Papperlapapp!
Im germanischen Heidentum gibt es keinen Gott im Sinne von „Herr und Gebieter“. Es gibt „die Götter“, die um Jahrmillionen älter sind als die Erdenmenschen. Sie sind nicht unsere Herren, wir nicht ihre Diener. Bestenfalls können wir uns als ihre Enkel ansehen. Unser Verhältnis zu und der Umgang mit ihnen ist freundschaftlich und familiär.

Religion und Magie sind auch sehr verschiedene Dinge. Religiöse Rituale haben im Allgemeinen nichts mit Magie zu tun, magische Rituale wiederum sind nicht an eine Religion gebunden oder von ihr abhängig. Der Religionsphänomenologe Hans-Peter Hasenfratz formulierte es einmal so: „Wenn eine rituelle Handlung ohne göttliches Zutun wirken soll, ist es Zauber (= Magie); wenn man glaubt, dass es Götter sind, die etwas bewirken, ist es Religion.“

An dieser Stelle trennen sich heidnische und runische Rituale. Heidnische Rituale sind an eine Religion, das Heidentum, gebunden. Runische Rituale können durchaus an die heidnische Religion gebunden sein, müssen es aber nicht. Das bedeutet auch, dass ein Runer nicht an eine Religion gebunden ist.

Tradition

Runische Rituale sind ebenso jahrhunderte alte Tradition wie neuzeitliche Erfindung. Sie dienen nicht der Beschwörung von übernatürlichen Wesen, Göttern oder Geistern, die herbeigerufen werden, um dem Magier zu dienen. Durch runische Rituale werden die dem Runer innewohnenden Kräfte geweckt und gestärkt. „Bedient“ sich ein Runer dabei heidnischer Praktiken und macht sie zum Bestandteil des runischen Rituals, so ist das eine persönliche, individuelle Entscheidung.

Anmerkung: Im Bereich der Ritualmagie wird mit genau festgelegten, unveränderlichen Ritualen gearbeitet, die oftmals einen sehr starken Bezug zum Heidentum haben.
Runische (magische) Rituale können individuell gestaltet werden, Ritualmagie nicht.

Ritualbausteine

Ritual-„Bausteine“

Von den Wicca haben wir das „Loslassen“ oder „Ablegen“ übernommen. Dabei wird auf ein Blatt Papier etwas aufgeschrieben und bei einem Ritual dem Feuer übergeben. Dabei kann es sich ebenso um eine schlechte Angewohnheit wie auch um die Trauer über einen verlorenen Menschen handeln. Manche schwören dabei auf den abnehmenden Mond, der das Abgelegte mit sich nimmt, andere auf den zunehmenden Mond, der Kraft zur Bewältigung verleiht. Wir sind da nicht so festgelegt, für uns ist das Verbrennen unabhängig vom Mond der wichtige Teil.

Womit wir aber gute Erfahrungen gemacht haben, ist ein gewisses verkomplizieren der Prozedur. Man schreibt schnell etwas auf ein Blatt Papier…

Wir suchen uns eine Ahornblättrige Platane. Dieser Baum wirft seine Rinde ab, besonders in Zeiten der Trockenheit. Diese Rindenstücke sind nur ein bis zwei Millimeter dick und an der Innenseite recht glatt. Trocknen diese Rindenstücke, rollen sie sich zusammen. Deshalb werden sie ungefähr einen Tag in Wasser eingeweicht und dann beschwert zwischen Pappe getrocknet. Mit einem dünnen Pinsel und Wasserfarben lässt sich die Rinde wunderbar beschreiben. Durch den Mehraufwand bekommt der Vorgang ein ganz anderes Gewicht. Ob man bei dem Ritual dann erzählt, was auf der Rinde steht oder es lieber für sich behält, sollte jeder/jedem selbst überlassen bleiben.

Rituale - Wasser

Ritual-„Baustein“ Wasser

Viele Rituale gelingen mit Unterstützung der Ahnen besser. Mit welchen Worten man seine Ahnen anspricht ist jedem Runer selbst überlassen. Was man jedoch macht, bevor man eine Einladung ausspricht, ist durchaus vorgeschrieben: Man reinigt Gesicht und Hände mit Wasser!

Neben jedes Feuer gehört eine Schale oder ein Krug mit Wasser! Nicht wegen dem Brandschutz, sondern zur Reinigung. Bei größeren Gruppen sollte analog zum Hüter des Feuers ein Hüter des Wassers ernannt werden, bei kleineren Gruppen übernimmt diese Aufgabe der Ritualleiter.
Bevor nun die Teilnehmer individuelle oder auch gemeinsame Einladungen aussprechen, reinigt jeder Gesicht und Hände. Dazu geht der Wächter des Wassers mit der Schale nacheinander zu jedem Teilnehmer (Reihenfolge und Richtung sind egal) und gießt ihnen etwas Wasser in die ausgestreckten Hände. Dazu spricht er die Worte: „Ich biete dir das Wasser des Urdbrunnens, dich zu reinigen.“
Der Teilnehmer antwortet: „Ich nehme das Wasser des Urdbrunnens entgegen, um mich zu reinigen.“

Waschbewegung mit den Händen, dann einmal mit den nassen Händen durchs Gesicht und das war`s, es ist eher symbolisch. Sinnvoll ist es, wenn jeder Teilnehmer ein kleines Handtuch dabei hat, um sich abzutrocknen. Auf keinen Fall das Wasser von den Händen abschütteln (und dabei alle anderen bespritzen), nicht mit Papier abtrocknen und das dann ins Feuer werfen und NIEMALS die Hände in die Schale tauchen! Das ist schlechtes Benehmen und eines Runers unwürdig.

Rituale - Feuer

Ritual-„Baustein“ Feuer

Feuer ist ein unverzichtbarer Bestandteil der Runenarbeit. Nun kann man ein paar Holzscheite aufstapeln, Grillkohleanzünder darüber gießen und ein Streichholz hinterherwerfen. Oder man kann es wie ein guter Runer rituell entfachen.

Bereits ab drei Personen sollte ein Teilnehmer als Hüter des Feuers benannt werden. Seine Aufgabe ist es, das Feuer zu entzünden und während des Rituals bzw. der Feier zu behüten. Der Hüter des Feuers hat während des Rituals keine andere Aufgabe, als das Feuer zu versorgen. Während ein oder mehrere Teilnehmer den Ritualplatz einhaseln schichtet der Hüter des Feuers Holzscheite auf. Erst ein paar dünne, harzhaltige Späne, darauf kleinere und zum Schluss größere (dickere) Scheite. „Stilecht“ ist es, die Späne mit einem Streichholz zu entzünden. An einem Stück Kohleanzünder oder etwas Brandbeschleuniger ist auch nichts verwerflich, aber das ist Geschmackssache.

Wenn das Einhaseln beendet ist, finden sich alle Teilnehmer an der Feuerstelle ein. Der Hüter des Feuers entzündet ein Streichholz und spricht dabei folgende (oder selbstgewählte) Worte:

„Ich entzünde die Flamme für die Götter, die Ahnen und die Gemeinschaft. Möge sie leuchten und erleuchten und nicht verlöschen vor der Zeit.“
Die anderen Teilnehmer antworten mit: „So sei es!“

Nach der Überlieferung in unserer Familie darf das Feuer nur durch Übergießen mit Wasser oder Abdecken mit Erde gelöscht werden. Ein konkreter Grund dafür ist jedoch nicht genannt.

Einhaseln

Bei modernen Heiden, Hexen, Magiern und vielen anderen ist er weit verbreitet: Der Schutzkreis (oder auch einfach Kreis). Er wird gezogen, um den Ritualplatz als geschützten Ort zu markieren. Nach dem Ritual wird der Kreis wieder geöffnet. Runer gehen mit dem Einhaseln in gewisser Weise noch einen Schritt weiter. Es wird nicht nur ein symbolischer sondern ein materieller Schutz um den Ritualplatz errichtet.

HaselIn der ursprünglichen Beschreibung gab es keine Hinweise zu Länge und Stärke der Haselstecken, später wurden sie recht ungenau als „bis Mannshoch“ beschrieben. Die Stärke soll so sein, dass man beim Umfassen mit der Spitze des Mittelfingers den Daumenballen berührt. Also 1-2 Meter lang und 3-5 Zentimeter Durchmesser, dann passt das schon.

Der Stecken wird nicht entrindet, jedoch werden alle Zweige entfernt. Nur am oberen Ende bleiben ein oder zwei seitliche Zweige erhalten. Auch hier gibt es keine konkreten Anweisungen, aber mit 5-25 Zentimetern Länge macht man nichts falsch. Ob man diese seitlichen Zweige länger oder kürzer schneidet, ist wohl eher eine Frage der Transportmöglichkeit. Diese Zweige dienen dazu, um Gegenstände daran aufzuhängen. Zu Samhain ein paar Ährengarben oder Gräser, zu einer Familienfeier bunte Bänder, zu anderen Anlässen Talismane oder Amulette.

Haselstecken Setzen

Die Haselstecken werden „gesetzt“. Das Bedeutet, dass mit einem Messer Löcher in die Erde gebohrt werden und dann die Haselstecken hineingesetzt werden. Nicht in den Boden rammen und weiter zum nächsten, sondern mit Bedacht „setzen“. Dazu wird der Stecken mit beiden Händen umfasst, in das Erdloch eingeführt und festgedrückt. Dabei soll er (laut oder in Gedanken) gebeten werden, den Ritualplatz gegen alle Störungen zu schützen.

Vier Stecken reichen zur Not aus, sechs bis acht sind besser, bei zwölf ist die Grenze des Sinnvollen meist erreicht. Findet das Ritual an einem (stehenden oder fließenden) Gewässer statt, sollte der Bereich zum Wasser hin nicht eingehaselt werden. Wasser bildet einen natürlichen Schutz, ein zusätzlicher Schutz durch Haselstecken ist nicht sinnvoll.

Dort, wo das Gericht seinen Platz hatte, war ein ebenes Feld, und rund um das Feld waren Haselstangen gesteckt, und außen ringsum war eine Schnur gezogen; das nannte man die Weihebänder.
Egils saga Skalla-Grímssonar (56)


Siehe auch Die Feuerläufer von San Pedro Manrique