Nordische Götter – Asen, Wanen & Walküren

Nordische Götter entsprechen von ihrem Ursprung her den kontinentalgermanischen Göttern. Wir sprechen hier der Einfachheit halber von den nordischen Göttern.

Nordische Götter - Balders TodBild links: Nordische Götter- Balders Tod, Eckersberg 1817

Die ältesten schriftlichen Quellen über nordische Götter stammen von Gaius Julius Cäsars sogenanntem Germanenexkurs. Darin werden als Götter jedoch nur Sonne, Vulkan (Feuer) und Mond aufgeführt. Wann genau die Asen und Wanen namentlich bekannt wurden, ist kaum noch feststellbar. Erstmalig schriftlich belegt ist der Begriff „Ase“ aus dem 2. Jahrhundert. Eine Runeninschrift aus Vimose (Dänemark) lautet: „ich weihe dem Asen/Gott“. Namentlich überliefert sind die einzelnen Asen und Wanen durch die Edda des Snorri Sturluson. Auch die Namen einiger Walküren sind dort verzeichnet. Wohnsitz der Asen ist Asgard, der der Wanen Wanaheim. Beide Geschlechter haben weitestgehend menschliche Züge. Sie leben einen nahezu irdischen Alltag und sind sterblich. Nur durch die Äpfel der Idun halten sie sich jung, bis fast alle von ihnen zur Ragnarök getötet werden.

Nordische Götter – Asen

Die Asen sind das herrschende Göttergeschlecht. Von ihrer Mentalität her werden sie meist als kriegerisch beschrieben. Diese Eigenschaft geht vermutlich auf die Überlieferungen der kriegerischen Wikinger zurück. Oberster Herrscher der Asen ist Odin, der Allvater.

Nordische Götter - Odin

Bild rechts: Wotan (Odin) von Rudolf Maison (1854-1904)

Alphabetische Liste der Asen
Balder, Bil, Burr (Börr, Borr), Bragi, Buri, Dagr, Dellingr, Eir, Forseti, Frigg, Fulla, Gefion, Gna, Heimdall, Hermodr, Hlin, Hnoss, Hödur, Hönir, Idun, Jörd, Lin, Lodur, Lofn, Loki, Magni & Modi, Nanna, Nott, Odr, Odin, Rig, Saga, Sif, Sigyn, Sjöfn, Skadi, Skjöld, Snotra, Sol, Syn, Thor, Thrud, Tyr, Uller, Wali, Var, Vé, Vili, Vidar

Nordische Götter – Wanen

Die Wanen gelten als das ältere Göttergeschlecht. Die Bezeichnung leitet sich von dem altnordischen Vanir (die Glänzenden) ab.

Alphabetische Liste der Wanen
Freyr, Freyja, Gullveig, Nerthus, Njörd

Nordische Götter – Walküren / Herkunft

Über Herkunft, Wesen und Aufgaben der Walküren gibt es sehr unterschiedliche Berichte. Von den Anfängen der germanischen Mythologie bis zu Wagners „Der Ring des Nibelungen“ hat sich unser Bild von ihnen ständig verändert.

Wenn in einer der neun Welten ein Wesen starb, kam ein Totendämon und geleitete seine Seele nach Hel, Folkwang oder Walhall. Im Laufe der Zeit fiel es Odin auf, dass es immer die gleichen Totendämonen waren, die die ruhmreichsten Krieger und größten Helden nach Walhall brachten. Er beobachtete dies eine Zeit lang und erkannte, dass diese Dämonen ein besonderes Gespür dafür hatten, die besten Kämpfer für sein Heer der Einherjer zu finden. Das brachte ihn auf eine seiner besseren Ideen. Da Totendämonen Geistwesen (also ohne physischen Körper) sind, schuf er für diese speziellen Dämonen Körper und schenkte sie ihnen.

Nordische Götter - WalkürenBild links: Die Nachtwache der Walküre von Edward Robert Hughes (1851-1914)

Vom Totendämon zur Asin

Durch Blutsbrüderschaft machte Odin die Walküren zu Asen und verlieh ihnen spezielle Eigenschaften und Fähigkeiten, die ihnen die Erledigung ihrer Aufgaben erleichtern sollten. So schenkte er ihnen z.B. die Fähigkeit die Zeit zu manipulieren und vermittelte ihnen auch alle von ihm schwer erworbenen Erkenntnisse über Runen und deren Magie. Im Gegenzug übertrug Odin den Walküren aber auch weitere Aufgaben. So wurden sie zu Lehrerinnen speziell begabter Kinder, die sie in der Heilkunst, der Kriegskunst oder der Runenkunde ausbildeten. Viele Walküren besuchen ihre Schüler nur im Schlaf und flüstern ihnen ihre Lehren zu. Manchmal jedoch entwickeln sie eine sehr innige Beziehung zu ihren Schützlingen. Die Walküre Walburga beispielsweise verbindet eine tiefe und langjährige Freundschaft mit den Alben Aislynn, Lorin und Amira.

Mancher der als Asen geborenen betrachtete diese Entwicklung mit Argwohn und die Walküren wurden von vielen Asen nicht als gleichberechtigt angesehen und behandelt. Da Odin sehr auf die Einigkeit der Asen bedacht ist, reagierte er darauf mit einem geschickten Zug: Er adoptierte die Walküren. Ihr Status als Odins Töchter und ihr freundliches Wesen verschafften den Walküren dann auch rasch die Anerkennung und Freundschaft der anderen Asen. Ob Odin bei der Adoption auch daran dachte, dass eine Asin ihrem Vater (fast) nie den Gehorsam verweigert, ist nicht überliefert.

Die Pferdefrauen

Wir kennen einige Beschreibungen über die Transportmittel der Asen und Wanen. Freyjas Wagen wird von Katzen gezogen, Thors Streitwagen von Ziegenböcken, Odin reitet auf einem achtbeinigen Pferd usw.

Pferde, wie wir sie kennen, sind gar nicht die „typischen“ Reit- und Zugtiere der Asen und Wanen. Dennoch werden Walküren in der Kunst oft auf Pferden dargestellt oder beschrieben. Für unser heutiges Verständnis von Walküren hat vermutlich „Der Ritt der Walküren“ von Richard Wagner einiges zu diesem Bild beigetragen. Tatsächlich sind die Walküren jedoch eher zu Fuß unterwegs. Bei einer Asin, die ohne Zeitverlust von einer Welt in eine andere Welt wechseln und jede beliebige Entfernung überbrücken kann, macht es auch wenig Sinn, sich mit einem Pferd zu belasten.

Dennoch gibt es eine kleine Gruppe von Walküren, die als „Pferdefrauen“ bezeichnet werden. Sie reiten tatsächlich auf Pferden und haben dafür sicher einen Grund. Wir kenne den aber nicht. Allerdings ist auffällig, dass es sich dabei ausschließlich um Walküren handelt, die speziell Völven ausbilden – und die sind Männern gegenüber nicht sonderlich mitteilsam.

Die Einherjer

Hel ist die Tochter der Riesin Angrboda und des Asen Loki. Sie selbst wird dem Geschlecht der Riesen zugeordnet. Zur Totengöttin wurde sie, weil die Asen sich vor Lokis Kindern (neben Hel noch der Fenriswolf und die Midgardschlange) fürchteten und Hel aus Asgard verbannten. Daraufhin gründete sie ihr eigenes Reich.

Der Legende nach holt Hel alle Menschen und Wesen zu sich, die den „Strohtod“ gestorben sind. Nach Walhall kommen nur die in der Schlacht gefallenen Krieger. Dabei handelt es sich jedoch um eine Fehlinformation, die auf Odins Befehl hin von den Walküren verbreitet wurde.

Um dem Ragnaröck (Schicksal der Götter) zu entgehen sammelt Odin in Walhall die Einherjer, die „allein Kämpfenden“ bzw. „ehrenvoll Gefallenen“ um sich. Jedoch hat Odin nicht allein Anspruch auf die Einherjer. Die Anführerin der Walküren, die Wanengöttin Freyja, kann die Hälfte der Einherjer für sich einfordern.

Der Strohtod-Schwindel

Odin fand großen Gefallen an den kämpferischen Wikingern. Um mehr von ihnen als Einherjer in die Reihen seines Heeres zu bekommen, entwickelte er einen perfiden Plan. Die Walküren mussten unter ihnen den Glauben festigen, dass nur diejenigen nach Walhall gelangen, die ehrenvoll im Kampf fallen. Damit sollte die Bestimmung eines Jungen festgelegt werden: Kämpfen lernen, zum Mann werden, selbst Kinder zeugen und in der Schlacht fallen. Kinder, die ohne Vater aufwachsen mussten, wurden meist früher selbstständig. Odins Plan zielte also schlicht darauf ab, die Generationsfolge bei den Wikingern zu beschleunigen.

Die Schaffung der Berserker

Odins Töchtern, den Walküren, käme es nie in den Sinn, sich einem direkten Befehl des Allvaters zu widersetzen. Ihr Bestreben war es jedoch schon lange, das Leben der Wikinger zu verbessern. Odins Plan gefiel ihnen gar nicht. Also suchten sie ein paar wenige, für ihr Vorhaben besonders geeignete Jungen und Mädchen aus und unterrichteten sie in den magischen Künsten. Dazu brachten sie ihnen spezielle Kampftechniken bei und schufen innerhalb weniger Jahre die Kaste der Berserker. Ihr Plan war es, durch die Berserker die Verluste der Wikinger in Kämpfen soweit zu reduzieren, dass Odins Plan damit unterlaufen würde. Das gelang ihnen auch.

Dennoch hat sich der Glaube, dass nur die im Kampf ehrenvoll gefallenen Helden einen Platz in Walhall bekommen, bis in die heutige Zeit gehalten.


Siehe auch Alben, Riesen und die Menschen von Midgard