Fylgien – Folgegeister, Krafttiere oder Schutzgeister?

Fylgien werden oft als weibliche Folgegeister interpretiert. Sie werden als körperlose Wesen beschrieben, die sich bei der Geburt eines Menschen einfinden und ihn in Tiergestalt sein ganzes Leben lang begleiten. Dabei wählen sie die Gestalt desjenigen Tieres, welches der Seele des jeweiligen Menschen entspricht.

Fylgien - DisablotBild links: Das Bild wurde am 7. Februar 2009 an einem Felsen namens Storbuckasten bei einem Disablót in Schweden aufgenommen. Disablót ist eine nordische Zeremonie zu Ehren von Göttinnen, Ahnen, Disir, Fylgjas und noch nicht geborenen Kindern und entspricht in etwa dem keltischen Imbolc. Der Felsblock ist 8 × 5 Meter groß und 3,5 Meter hoch. Auf dem Bild sehen wir zwei Teilnehmer bei ihren persönlichen Opfergaben.

Der Inhaber des Copyrights dieses Werkes, Gunnar Creutz, hat dieses Werk als gemeinfrei veröffentlicht. Dies gilt weltweit.

Else Mundal sieht den Ursprung der Fylgien im Ahnenkult. Sie berichtet auch von Fylgien, die als Folgegeister eines Clans in größeren Gruppen dem Clanführer folgten und sogar bei Streitigkeiten mit anderen Clans eingriffen.

Für uns stellen sich die Fylgien etwas anders dar.

Was sind Fylgien?

Fylgien entsprechen für Tiere in gewisser Weise dem, was die Walküren für Menschen sind. Walküren geleiten die Hugr der Menschen nach ihrem Tod nach Walhall. Fylgien sammeln die Seelen der Tiere und bewahren sie auf. Bei Bedarf geben Fylgien jedoch die gesammelten Seelen wieder an neu geborene Tiere ab (Eventuell schon vor der Geburt?).

Hierzu liegt uns der Bericht eines runischen Schamanen vor.

Fylgien - Wolf

Wolfs-Fylgien

Als Jugendlicher habe ich über mehrere Jahre bei schamanischen Reisen keinen Kontakt zu anderen Menschen gefunden. Immer waren es Tiere und besonders zwei Wolfsrudel haben regelrecht auf mich gewartet. Eine direkte Kommunikation hat es nie gegeben, die Tiere haben mir aber beigebracht, wie ich mich zu verhalten habe. Bis auf wenige Meter konnte ich mich ihnen nähern. Habe ich eine unsichtbare Grenze überschritten, sind sie einfach weggegangen. (Anmerkung: Laut dem Hundeversteher Martin Rütter beruhen mehr als 90% der Erziehung bei Hunden und auch Wölfen darauf, dass die Eltern bei Fehlverhalten der Welpen einfach weggehen und sie ignorieren.) Auf die Art habe „ich Welpe“ also gelernt, was ich darf und was nicht.

Habe ich mich zurückhaltend gezeigt, ist der eine oder andere Wolf schon mal auf wenige Zentimeter Entfernung herangekommen. Das kann sehr einschüchternd sein! Ich habe je nach Position im Sitzen eine Augenhöhe zwischen 110 und 130 cm. Eine „ausgewachsene“ Wolfs-Fylgja blickt dann auf mich herab. Diese Wesen sind ungeheuer beeindruckend.

Nach einigen Jahren gab es dann ein ganz besonderes Ereignis. Beide Rudel, die sonst streng voneinander getrennt agierten, kreisten mich ein und rückten immer näher. Zu diesem Zeitpunkt war ich aber schon so mit ihnen vertraut, dass dieses neue Verhalten in keiner Weise mehr beängstigend war. Die Rudelführer nahmen sogar Körperkontakt auf. Anstupsen mit der Nase, Pfote auflegen, auch ein wenig freundschaftliches Anrempeln.

Fylgien - Wolf

Der mit den Wölfen läuft

Und dann ging es los. Wie silbergraue Blitze schossen wir durch den Wald. Wir, denn ich war übergangslos zu einem von ihnen geworden. Über einen Bach ging es hinaus auf eine Lichtung – und wir waren in einer anderen Welt. Im Nachhinein bin ich mir sicher, dass wir in Utgard gestartet sind und in Mitgard ankamen. Die Rudel verteilten sich und die Jagd begann. Aber nicht so, wie man vielleicht vermuten könnte. Es ging nicht um Nahrung, die Wolfs-Fylgien machten sich auf die Jagd nach Wölfen. Verletzten, alten, kranken, sterbenden Wölfen. Einen nach dem anderen fanden sie, kreisten ihn ein und legten sich mit den Köpfen in seine Richtung auf den Boden. Eine der kleineren Fylgien ging dann zu dem sterbenden Tier und legte sich zu ihm.
Den Vorgang selbst konnte ich nicht beobachten. Die Fylgja stand wieder auf, wenn das Tier gestorben war und war dann deutlich sichtbar größer.

Diese Jagd dauerte mehrere Tage. Ich hatte weder Hunger noch Durst noch verspürte ich Müdigkeit, nur ein ständig wachsenden Gefühl der Befriedigung weil wir „einen guten Job“ machten. Es gab wunderbare, berührende aber auch abgrundtief traurige und zornig machende Erlebnisse. Besonders gut erinnere ich mich an eine Gruppe Männer, die mehrere Wölfe erschossen hatte. Ich konnte weder ihre Gesichter erkennen noch ihre Worte verstehen. Was ich aber immer noch hören kann ist ihr Gelächter und ich rieche den Gestank von billigem Fusel. Seitdem habe ich nur noch selten Alkohol getrunken und Menschen mit Schnapsfahne lösen bei mir Aggressionen aus.
Irgendwann ging es dann zurück nach Utgard. Die Rudel bezogen wieder getrennte Reviere und ich war wieder ich selbst. Nachdem ich die Reise beendet habe stellte ich reichlich überrascht fest, dass sie (in Midgardzeit) weniger als eine Stunde gedauert hat. Die beiden Rudel habe ich danach viele Jahre nicht wieder gesehen.

Fylgien finden

Krafttiere sind Fylgien, aber nicht jede Fylgja ist ein Krafttier. Wenn sich eine Fylgja entscheidet (beauftragt wird?) sich einem Menschen als Krafttier zur Seite zu stellen (es können auch mehrere und wechselnde Fylgien sein), dann hört sie für die Zeit auf, Seelen zu sammeln und abzugeben.

Durch die Hilfe der Runen, ganz speziell Ansuz, ist es nicht besonders schwierig, Fylgien zu entdecken. Man muss allerdings schon sehr genau hinschauen.

Die Schamanin Mariz Gawaldan hat sich auf die Suche nach Krafttieren spezialisiert. Sie hilft Menschen, die ihr persönliches Krafttier noch nicht gefunden haben bzw. denen es sich noch nicht gezeigt hat, sachkundig mit Rat und Tat. Auf ihrer Website gibt es auch eine große Anzahl an Beschreibungen der einzelnen Krafttiere bzw. der Tiergeister, die besonders häufig in Europa zu finden sind. Mariz Gawaldan hat Tierpsychologie studiert und ist mit ihren ausgeprägten spirituellen Fähigkeiten geradezu prädestiniert für die Arbeit mit Krafttieren.

Fylgien - Albatan