Edda – Die ältere (Lieder-Edda) und die jüngere (Snorra-Edda)

Die Edda - InhaltBild links: Deckblatt einer isländischen Abschrift der Snorra-Edda aus dem Jahr 1666

Als Edda werden zwei verschiedene, in altisländischer Sprache verfasste literarische Werke aus dem 13. Jahrhundert bezeichnet. Beide wurden im christianisierten Island niedergeschrieben und behandeln skandinavische Götter- und Heldensagen. Trotz dieser Gemeinsamkeiten unterscheiden sie sich sowohl ihrem Ursprung nach als auch im literarischen Charakter.

Lieder-Edda

Die Lieder-Edda, früher auch Sämund-Edda genannt, ist eine Sammlung von Dichtungen unbekannter Autoren. Stofflich werden mythische Motive, sogenannte Götterlieder aus der Nordischen Mythologie, behandelt sowie die sogenannten Heldenlieder. In den Heldenliedern werden Stoffe aus der germanischen Heldensage, beziehungsweise der Heldendichtung wiedergegeben.
Einige der Götterlieder sind als „Wissensdichtung“ angelegt. Das heißt, in ihnen wurde gezielt möglichst viel Wissen in konzentrierter Form dargestellt. In der Anordnung der einzelnen Lieder zeigt sich eine deutliche Reihenfolge. Das erste Lied, die Völuspá, behandelt die Vorzeit und die Endzeit der Welt. In den nachfolgende Lieder werden immer spezifischere, abgegrenzte Inhalte behandelt.
Die Heldenlieder der Edda befassen sich mit verschiedenen germanischen Helden. Manche von ihnen lassen sich geschichtlich nachweisen. So entspricht Gunnar Gundahar, dem König der Burgunden.

Snorra-Edda

Die Snorra-Edda wurde von Snorri Sturluson, einem isländischen Dichter und Historiker, verfasst. In erster Linie ist sie als mythographisches und dichtungstheoretisches Werk gedacht. Jedoch stellt auch sie eine wichtige Quelle altnordischer Dichtung und Mythologie aus dem 13. Jahrhundert dar.

I. Die ältere Edda. Göttersage

1. Völuspâ. Der Seherin Ausspruch
2. Grîmnismâl. Das Lied von Grimnir
3. Vafthrûdhnismâl. Das Lied von Wafthrudnir
4. Hrafnagaldr Odhins. Odhins Rabenzauber
5. Vegtamskvidha. Das Wegtamslied
6. Hâvamâl. Des Hohen Lied
Loddfafnis-Lied
Odhins Runenlied
7. Harbardhsliodh. Das Harbardslied
8. Hŷmiskvidha. Die Sage von Hymir
9. Ögisdrecka. Ögirs Trinkgelag
10. Thrymskvidha oder Hamarsheimt. Thryms-Sage oder des Hammers Heimholung
11. Alvîssmâl. Das Lied von Alwis
12. Skirnisför. Skirnirs Fahrt
13. Grôugaldr. Groas Erweckung
14. Fiölsvinnsmâl. Das Lied von Fiölswidr
15. Rîgsmâl. Das Lied von Rigr
16. Hyndluliodh. Das Hyndlalied

II. Die ältere Edda. Heldensage

17. Völundarkvidha. Das Lied von Wölundur
18. Helgakvidha Hjörvardhssonar. Das Lied von Helgi dem Sohne Hiörwards
19. Helgakvidha Hundingsbana fyrri. Das erste Lied von Helgi dem Hundingstödter
20. Helgakvidha Hundingsbana önnur. Das andere Lied von Helgi dem Hundingstödter
21. Sinfiötlalok. Sinfiötlis Ende
22. Sigurdharkvidha Fâfnisbana fyrsta edha Grîpisspâ. Das erste Lied von Sigurd dem Fafnirstödter oder Gripirs Weißagung
23. Sigurdharkvidha Fâfnisbana önnur. Das andere Lied von Sigurd dem Fafnirstödter
24. Fâfnismâl. Das Lied von Fafnir
25. Sigrdrîfumâl. Das Lied von Sigurdrifa
26. Brot af Brynhildarkvidhu. Bruchstück (?) eines Brynhildenliedes
27. Sigurdharkvidha Fafnisbana thridhja. Das dritte Lied von Sigurd dem Fafnirstödter
28. Helreidh Brynhildar. Brynhildens Todesfahrt
29. Gudhrûnarkvidha fyrsta. Das erste Gudrunenlied
30. Drâp Niflunga. Mord der Niflunge
31. Gudhrûnarkvidha önnur. Das andere Gudrunenlied
32. Gudhrûnarkvidha thridhja. Das dritte Gudrunenlied
33. Oddrûnargrâtr. Oddruns Klage
34. Atlakvidha. Die Sage von Atli
35. Atlamâl. Das Lied von Atli
36. Gudhrûnarhvöt. Gudruns Aufreizung
37. Hamdhismâl. Das Lied von Hamdir

III. Die jüngere Edda

1. Gylfaginnîng. Gylfis Verblendung
2. Bragarœdhur. Bragis Gespräche
3. Aus der Skalda
Thors und Hrungnirs Kampf
Thors Fahrt nach Geirrödsgard
Lokis Wette mit den Zwergen
Die Niflungen und Giukungen
Menja und Fenja
– 38. Grottenlied
Hrolf Kraki
Högni und Hilde
Anhang. 39. Sôlarliodh. Das Sonnenlied

Bedeutung

Den schriftlichen Aufzeichnung gingen vermutlich zum Teil Jahrhunderte mündlicher Überlieferung voran. Damit ist die Edda ein wichtiges Zeugnis von Mythologie, Religion und Lebensweise unserer Vorfahren. Neben ihr gibt es nur noch sehr wenigen weiteren Aufzeichnungen (siehe auch Mythologie – Quellen)

Auch wenn die Niederschriften zweifellos christlich beeinflusst wurden, beinhalten sie doch Grundelemente ursprünglicher, heidnischer Tradition. So hat beispielsweise die Darstellung der Götter keinen Bezug zum Christentum. Snorri selbst betont den Unterschied zwischen dem, was er niederschreibt, und dem Christentum:

„En ekki er at gleyma eða ósanna svá þessar frásagnir at taka ór skáldskapinum fornar kenningar, þær er höfuðskáld hafa sér líka látit. En eigi skulu kristnir menn trúa á heiðin goð ok eigi á sannyndi þessa sagna annan veg en svá sem hér finnst í upphafi bókar.“

„Die hier erzählten Sagen dürfen nicht vergessen oder Lügen gestraft werden, indem man aus der Dichtkunst die alten Umschreibungen verbannt, an welchen die Klassiker Gefallen gefunden haben. Doch sollen Christenmenschen nicht an die heidnischen Götter und nicht an die Wahrheit dieser Sagen auf andere Weise glauben, als so, wie es im Anfang dieses Buches zu lesen ist.“ (Skáldskaparmál)

Die EddaBild rechts: Die Edda, ins Deutsche übersetzt von Karl Simrock, 1851.

Christlicher Einfluss

Snorri verstand also seine Überlieferung als echt heidnisch und für Christen nicht ungefährlich. Allerdings hat eine geschlossene Kosmologie eines mythischen Universums mit zeitlicher Abfolge der Ereignisse eine Schriftkultur zur Voraussetzung. Es ist daher durchaus nahe liegend, dass diese zusammenhängende Darstellung erst mit dem Codex Regius vollendet wurde. In der Forschung gibt es dazu verschiedene Theorien.

Die Vermittlung des christlichen Glaubens war den Herrschern schon immer ein großes Anliegen. Ab dem frühen 6. Jahrhundert gründete die Kirche Schulen in den Klöstern. Die ständische Gesellschaft des Mittelalters war nicht über Bildung strukturiert, sondern über Herrschaft. Den wenigen Lesekundigen musste also das „richtige“ Bild des Heidentums vermittelt werden. Gerade aus dem Bereich der Kunst ist die extreme Einflussnahme der Kirche nachweislich bekannt. Bilder wurden (und werden) ganz oder Teilweise übermalt. Runensteine in den Grundmauern von Kirchen zu verbauen sollte Überlegenheit demonstrieren. Wir können davon ausgehen, dass auch schriftliche Überlieferungen verändert wurden. So wurden die nordischen Götter als sittenlos und ohne Moral dargestellt.

Snorri Sturluson

Neben seiner prosaischen Edda verdanken wir Snorri weitere Texte.

  • Die Heimskringla (Weltkreis), eine umfangreiche Chronik der norwegischen Könige aus der mythischen Zeit bis in Snorris unmittelbare Vergangenheit.
  • Die Óláfs saga helga (eine gesonderte Saga von Olaf dem Heiligen)
  • Möglicherweise die Egils saga Skallagrímssonar, eine der großen biographischen Isländersagas. Sie erzählt vom Leben des Skalden Egill erzählt, der Snorris Vorfahre war.

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Zum Download Lieder-Edda („Die Götterlieder“ und „Die Heldenlieder“) Prosa-Edda 272 Seiten, PDF
Diskussion zu „Die Edda“ im Forum Runenschmiede
Der Zusammenhang von Edda und Runenheilung