Hinkelstein – volkstümliche Name für Menhir

Menhir ist eine aus dem Bretonischen entlehnte Bezeichnung für einen vorgeschichtlichen, hochragenden Steinblock, der auch als Hinkelstein bekannt ist. In der prähistorischen Archäologie bezeichnet das Wort einen länglichen Einzelstein, der in vorgeschichtlicher Zeit von Menschen aufrecht gestellt wurde. Die Identifikation als Menhir ist oft nur durch eine Ausgrabung zu verifizieren. Aufrechte Steine dienten auch als Grenzsteine, Ruhsteine, Werbung für Steinbrüche, moderne Gedenksteine und Gartenornamente sowie als Markierung von Straßen.

Terminologie

Hinkelstein - Menhir-vom-Champ-DolentBild: Menhir vom Champ-Dolent, ca. 9,5 m hoch; bei Dol-de-Bretagne (Ille-et-Vilaine)

Urheber: © Guillaume Piolle

Die Bezeichnung Menhir wurde durch die Publikation Origines gauloises (1796) von La Tour d’Auvergne in die archäologische Fachliteratur Frankreichs und Kontinentaleuropas eingeführt. Nach Rowe ist das Wort auch in der kornischen Sprache gebräuchlich. Reinach verweist auf einen Aufsatz von Stephen Williams von 1704, der von meini-gwyr in Cornwall berichtet.

Bereits Camden gebrauchte jedoch in seiner Britannia (1759) die Ausdrücke meinen-gwyr und maen-gwyr. Reinach spricht von einem „neo-keltischen Begriff“. In der bretonischen Umgangssprache bezeichnet das Wort maen-hir jeden langen Stein, so heißen die beiden aufrecht stehenden Steine in Gourin (Morbihan) maen-hir ‚langer Stein‘ und er-maen-berr ‚kurzer Stein‘. Menhire werden im Bretonischen gewöhnlich als peulvan (wörtlich ‚Steinsäule‘) bezeichnet.

Das Synonym „Hinkelstein“

Der im deutschen Sprachraum gebräuchliche volkstümliche Name Hinkelstein bildete sich im Mittelalter heraus. Das Wort Hünenstein (mit der Bedeutung „Riesenstein“) wurde irgendwann nicht mehr verstanden und vermutlich über Hühnerstein mundartlich zu Hinkelstein (Mhd. und teilweise heute noch in deutschen Dialekten: Hinkel = kleines Huhn) abgewandelt. Unter diesem Namen ist er auch in der Comicserie Asterix (und Obelix) dargestellt, was der Popularität des Begriffs zugutekam.

Definition

Hinkelstein - Menhir_KerhouezelBild: Menhir von Kerhouezel bei Porspoder (Finistère)

Urheber: Gerhard Haubold

Marcel Baudoin definiert einen Menhir als länglichen unbearbeiteten Einzelstein, der aufrecht gestellt wurde. Orthostaten, also Steine, die einen Deckstein tragen, als Menhir zu bezeichnen, lehnt er als verwirrend ab. Nach Baudoin sind Menhire von Cromlechs, also Steinkreisen, und Steinreihen terminologisch zu trennen, auch wenn die Grenzen manchmal fließend sein können. Auch die Satelliten von Ganggräbern will er nicht zu den eigentlichen Menhiren rechnen.

Im Concise Oxford dictionary of Archaeology wird der Ausdruck als umgangssprachlich bezeichnet; die Autoren ziehen den Ausdruck standing stone (‚aufrecht stehender Stein‘) vor. Michel Toussaint und seine Co-Autoren ordnen bearbeitete und unbearbeitete Steine als Menhire ein, fordern aber einen Beleg, dass sie in vorgeschichtlicher Zeit aufgerichtet wurden. Dazu zählen Steinritzungen und Fundamentierungen.

Transport und Aufstellung

Menhire, aber auch die Steine für Steinreihen, Cromlechs und Dolmen, wurden manchmal aus einer Entfernung von mehreren Kilometern zu ihrem Aufstellungsort transportiert. Hierbei kamen wahrscheinlich in etwa gleichdimensionierte Baumstammrollen und Hebelbäume zum Einsatz; für Stonehenge wurde auch die Verwendung hölzerner Schlitten angedacht. Mittels größerer Äste und Stämme wurden die Megalithe aufgerichtet und in eine vorbereitete Vertiefung im Boden gesenkt; diese wurde mit Keilsteinen und Erdreich verfüllt.

Ob beim Transport oder bei der Aufrichtung der Menhire bereits Seile oder Zugtiere zum Einsatz kamen, ist strittig. Erste Nachweise für Wagen und die Nutzung von Ochsen als Zugtiere stammen erst aus dem Badener Horizont, während die ersten Megalithbauwerke bereits im 5. Jahrtausend errichtet wurden.

Aussehen

Hinkelstein - Menhir von Saint-UzecBild: Der christianisierte Menhir von Saint-Uzec mit den Arma Christi

Urheber: Schorle

Die frühen Großmenhire sind meist Findlinge aus Granit, die während der Eiszeit durch Gletscher geformt und transportiert worden waren. Sie wurden teilweise von Menschenhand geglättet, absichtlich vertikal gestellt und in der Erde verankert. Meist wurden Gesteine wie Quarzite, Granit, Gneis, Kalk- und Sandsteine verwendet, die in der Nähe des jeweiligen Aufstellungsortes vorhanden waren – so bestehen die Menhire der Bretagne meist aus Granit, im Süden Frankreichs aber auch oft aus arg verwittertem Kalkstein. Neben obeliskenartigen Steinsäulen finden sich auch gedrungene, pyramidenähnliche und stelenartige Gebilde. Die zeitliche Einordnung der kleineren, zumeist spitzen und unbearbeiteten Menhire ist weitgehend unklar.

Die meisten Menhire sind zwischen einem und drei Metern hoch. Die höchsten Exemplare außerhalb der Bretagne sind der

  • „Rudston – Menhir“ in Yorkshire England mit etwa 8,0 m
  • „Bourg-Jardin – Menhir“ in Avrillé im Vendée mit etwa 7,20 m
  • „Menhir von Punchestown“ im County Kildare Irland mit etwa 7,0 m

Menhire können verziert sein, einige tragen Mondsicheln, Schlangen, Spiralen oder Gerätschaften in Symbolform. Statuenmenhire sind Steine mit anthropomorphen Darstellungen.

Vorkommen

Menhire sind, abgesehen von der Antarktis und Australien, über alle Kontinente verbreitet. Ihr europäischer Schwerpunkt liegt im Westen. Von Skandinavien über Irland, Großbritannien, Belgien, Luxemburg, Frankreich, Deutschland, Tschechien und die Schweiz sind sie auch im mediterranen Raum von Portugal (der Menhir da Meada ist mit etwa sieben Metern der höchste) bis Italien, aber in Europa kaum östlich davon, verbreitet.

Bedingung für die Existenz von Menhiren ist das Vorhandensein geeigneter natürlicher oder mit den Mitteln und Methoden der jeweiligen Zeit bearbeitbarer Steine.

Deutschland

Die Mehrzahl der Menhire in Deutschland ist zwischen einem und vier Metern hoch. Größer ist der Gollenstein im Saarland mit 6,6 m. Manche Menhire wurden zugerichtet, andere, zumeist Findlinge blieben unbearbeitet. Einige wie der in einem Megalithgrab aufgefundene Menhir von Langeneichstädt in Sachsen-Anhalt oder der Menhir von Weilheim wurden mit Ritzungen und Reliefs geschmückt.

Hinkelstein - Steinerne JungfrauBild: Der Menhir „Steinerne Jungfrau“ in Halle-Dölau

Urheber: Einsamer Schütze

Auch bei vielen deutschen Menhiren ist die Datierung unklar. Aussagekräftiges Fundmaterial findet man in ihrer Umgebung selten, weshalb sich nur wenig über ihre einstige Funktion sagen lässt. Eine Ausnahme bildet der 2,3 m große Opferstein von Melzingen in Niedersachsen der flach auf einem Feld liegt, ursprünglich aber, wie archäologische Ausgrabungen ergaben, senkrecht stand. In der unmittelbaren Umgebung weist das Erdreich bis zu zehnfach erhöhte Phosphatwerte auf, die möglicherweise von vergangenen organischen Opfergaben herrühren. Außerdem fanden Prähistoriker neben zahlreichen Feuersteinabschlägen zwei Steinäxte und ein Bronzebeil.

Einzelne Steine und Steinsetzungen unterschiedlicher Größe finden sich in Deutschland vom Saarland über Hessen, Sachsen-Anhalt bis Rheinland-Pfalz. In der Pfalz sind noch etwa 50 Menhire nachweisbar. Die markantesten sind: „Der lange Stein von Mittelbrunn“, „der lange Stein von Einselthum“, „der lange Stein von Freinsheim“, „der lange Stein von Stahlberg“ und „der Hinkelstein von Otterberg“.

Auswahl deutscher Menhire
  • Der Gollenstein bei Blieskastel im Saarpfalz-Kreis gilt mit einer Höhe von 6,6 m als der größte Menhir Mitteleuropas.
  • Die Steinerne Jungfrau bei Halle (Saale) in Sachsen-Anhalt ist mit 5,5 m Höhe heute der zweitgrößte Menhir in Mitteleuropa. Bis Ende des 19. Jahrhunderts war er wohl noch etwa 8 m hoch.
  • Der Spellenstein steht in Rentrisch, im Saarpfalz-Kreis. Seine ursprüngliche Form als sich nach oben verjüngende, vierkantige Steinspindel ist bis heute zu erkennen.
  • Ebenfalls im Saarland befindet sich der Hinkelstein von Walhausen, ein Monolith aus der späten Kupferzeit.
  • Der etwa 3,7 m hohe Süntelstein steht in Vehrte, Landkreis Osnabrück.
  • In Rheinhessen gibt es zwölf Menhire, darunter der 2003 entdeckten 1,8 m hohen Menhir, der beim Pflügen bei Ingelheim entdeckt wurde.
  • Der 1,70 m hohe Menhir von Kaiserswerth ist abgesehen von einigen nicht sichtbaren Bodendenkmälern mit etwa 3500 bis 4000 Jahren Alter das älteste Denkmal in Düsseldorf.
  • 1987 wurde ein Menhir in einer steinzeitlichen Grabkammer, dem Großsteingrab Langeneichstädt, neben der Eichstädter Warte entdeckt.
  • Menhire im Raum Trier sind der Hinkelstein bei Thomm, die Menhire von Farschweiler, Beuren (Hochwald), Büdlich und Köwerich, der Stein von Bescheid und das Hünengrab „Drei Mörder“ bei Bonerath/Holzerath.
  • 4,5 m hoch und verziert ist der Menhir von Weilheim bei Tübingen.
  • Der knapp zwei Meter hohe Menhir von Degernau befindet sich in der Gemeinde Wutöschingen im Landkreis Waldshut im Südschwarzwald.
  • Der Menhir von Seeben in Halle (Saale) ist ca. 1,80 m hoch
Bautastein

Bautastein ersetzt in Dänemark den kontinentalen Begriff Menhir („langer, aufgerichteter Stein“). Im Schwedischen wird ein solcher Stein rest sten („aufgerichteter Stein“, verwandt mit englisch raised „erhoben“) oder bautasten genannt. In Norwegen sind die Begriffe „Bautaen“ und „Steinbauta“ geläufig.


Quelle: Wikipedia.de
Bilder: Lizensiert unter der Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 nicht portiert
Siehe auch: Stonehenge

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