Runensteine – Grundtypen, Schrifttypen & Verbreitung

Runensteine sind aufrechtstehende Steine, die mit Runeninschriften versehen sind. Aufgerichtet wurden diese Steine ab der nordischen Eisenzeit sowie während der Vendel- und Wikingerzeit zwischen dem 5. und 12. Jahrhundert. Sie wurden meist zur Erinnerung an Verstorbene oder Gefallene gesetzt, aber auch als Denkmäler eigener Leistungen.

Runensteine - Grosser JellingsteinBild: Der große Jellingstein ist ein Reliefrunenstein mit Christusdarstellung, um 960/985

Urheber: Roberto Fortuna

Viele Runensteine sind mit Ornamenten oder Bändern verziert. Um die 200 Runensteine sind auch mit figürlichen Darstellungen versehen, davon ungefähr 100 mit Tierdarstellungen. Es gibt auch Ritzungen, die auf Findlingen aufgebracht wurden und in Schweden „Runenblock“ (Ramsundritzung, Runenblock von Ed, Runenblock von Sjusta) oder auf Aufschlüssen, „Runenplatte“ (schwedisch Runhäll – Runmarsvreten) genannt werden.

Menge und Verbreitung

In Skandinavien wurden rund 3200 Runensteine gefunden. Allein in Schweden sind es über 2800, davon knapp 400 auf Gotland. In Dänemark (einschließlich Schleswig und Schonen) sind es 267 und in Norwegen cirka 133. Auf den Britischen Inseln gibt es über 220 Runeninschriften, allerdings kaum Steine. Weitere Runensteine wurden in Deutschland, auf Grönland, Island und den Färöern gefunden. Der Runenstein von Beresan steht in der Ukraine. Vereinzelte Steine finden sich auch im Baltikum.

Runensteine wurden in Norwegen und Schweden seit dem 4. Jahrhundert aufgestellt. Die ersten Steine in England stammen aus dem 7. Jahrhundert. In Dänemark, Deutschland und auf den Färöern wurden sie ab dem 9. Jahrhundert aufgestellt.

Einiges spricht dafür, dass Runensteine zuerst im Bohuslän oder im norwegischen Østfold aufkamen, von wo sie sich nach Mittelschweden ausbreiteten. Die Verbreitungskarte stützt diese Ansicht allerdings nicht. Die Gegend hat aber eine uralte Bildertradition. Einer der wenigen mit einem Bild geschmückten eisenzeitlichen Bautasteine steht auf dem Gräberfeld von Greby. In Tune in Norwegen wurde ein Stein gefunden, der zu den ältesten gehört, die man entdeckt hat. In Schweden findet man aus den Jahrhunderten vor der Wikingerzeit sowohl Runensteine als auch kleinere Steine in Gräbern. Dazu gehört zum Beispiel ein Sargstein in einem Grab bei Kylver auf Gotland.

Form und Aussehen von Runensteinen

Runensteine werden nach Schriftsteinen und Schlangenbandsteinen unterschieden.

Runensteine - Runenstein von RökBild: Runenstein von Rök – Ostseite

Urheber: Bengt Olof ÅRADSSON

Der Schriftstein ist der ältere Typ. Er ist mit senkrechten, gelegentlich aber auch waagerechten Runenzeilen bedeckt. Berühmte Exemplare dieses Typs sind die Steine von Busdorf, Glavendrup, Karlevi oder Rök. Der Typ ist in Norwegen, Westschweden und Dänemark vorherrschend.

Der Schlangenbandstein ist jünger. (schwed. drakslingor; dt. Drachenschlinge), dessen Runenschrift sich vom Kopf eines Drachen oder einer Schlange über den gewundenen und verschlungenen Körper bis zum Schwanzende hinzieht, ist jünger. Das Zentrum der Schlangenbandsteine liegt in Ost- und Mittelschweden. Außerhalb Schwedens kommt er selten vor. Die Steine zeigen Darstellungen des „großen Tieres“ (schwed. det stora djuret). Prachtexemplare standen/stehen in Tullstorp, Frösön, Nasta, Hansta und Simris. Bei Steinen, die mit einem christlichen Kreuz versehen wurden, sind meist die Merkmale der Schlange (Kopf und Schwanz) weggelassen worden.

Darstellungen und Verzierungen

Die meisten Runensteine tragen nur Inschriften, einige andere sind hauptsächlich mit Reliefs verziert. Meist werden Ornamente, Symbole oder figürlichen Darstellungen gezeigt. Die Bilder waren mittels Farbe hervorgehoben. Heute ist diese zumeist verblichen bzw. nachgemalt worden. Der aufwendigste unter den verzierten norwegischen Steinen ist der Runenstein von Dynna. Er ist aus rotem Sandstein, voller Bildmotive im Ringerike-Stil und trägt eine Inschrift.

Als Maskensteine bezeichnete Bildsteine kennt man nur aus Dänemark. Hier sind Bilder in Findlinge geritzt, die nicht immer eine Runeninschrift tragen.

Runensteine - Maskenstein von SläbroBild: Maske von Släbro

Urheber: Sören Eriksson

Nach einer Sjellebro-Legende wohnen in den Maskensteinen Trolle, Feen und Wassermänner. Von einem Trollstein wird erzählt, er sei der Sitz des Wassermannes, der an dieser Stelle jährlich ein Menschenopfer forderte. Einmal vergingen jedoch sechs Jahre, bevor ein Mensch ertrank. Sechs Jahre erscholl der Ruf: „Die Zeit ist gekommen, aber der Mann ist nicht gekommen!“ Im siebten Jahr fuhr ein Wagen durch den Fluss und alle sieben Insassen kamen ums Leben.

Die größten Runensteine sind sogenannte Runenblöcke. Es sind Findlinge, die nach der Art von Runensteinen beschriftet wurden. Der Runenstein von Vang ist der kleinste Runenstein Dänemarks. Der Runenstein mit der längsten bekannten Inschrift steht in Dänemark. Es ist der Bugstein der Schiffssetzung von Glavendrup auf Fünen. In Schweden trägt der Runenstein von Rök die längste Inschrift.

Runensteine mit älteren Runen

Aus der germanischen Eisenzeit und der älteren Vendelzeit liegen in Schweden mehr Inschriften mit älteren Runen vor als aus späteren Zeiten. Die meisten Inschriften treten auf Goldbrakteaten auf, doch viele auch auf Runensteinen. Deren Anzahl ist jedoch nicht mit der gewaltigen Menge der wikingerzeitlicher Runensteine vergleichbar, die im jüngeren Futhark beschrieben wurden. Aus der Eisenzeit und der Vendelzeit sind etwa 20 Steine mit den älteren Runen in Schweden bekannt. Dazu zählt auch der Stein aus der Grabkiste von Kylver auf Gotland. Norwegen hat etwa 30 Runenritzungen auf einzelnen Steinen, Steinen von Grabkisten und Felsen, während Dänemark keine Steine mit älteren Runen aufzuweisen hat.

Runensteine - Runenstein von ÄrentunaBild: Der am oberen Rand leicht beschädigte Runenstein von Ärentuna steht bei der Kirche von Ärentuna nördlich von Uppsala in Uppland in Schweden.

Urheber: Marianne58

Runensteine für Frauen

Bemerkenswert ist auch die nicht geringe Anzahl von Steinen, die für und von Frauen gesetzt wurden. Aus den Inschriften geht oftmals hervor, wer die Runensteine errichten ließ. Von den rund 3000 Steinen in Skandinavien wurden demnach fast 12 Prozent auf alleinige Veranlassung von Frauen errichtet. Weitere 15 Prozent wurden von Frauen und deren Männern in Auftrag gegeben. Frauen verfügten also über die finanziellen Mittel, einen solchen Stein aufstellen zu lassen.

Runensteine über Fahrten in andere Länder

Viele Runensteine berichten über Fahrten in viele Teile Europas. Diese Steine stammen aus dem 9. bis 11. Jahrhundert. Einerseits sind dies die sogenannten Waräger-Runensteine. In den Inschriften werden solche Personen erwähnt, die „im Osten“ waren und dort starben. Waräger-Runensteine sind in Dänemark, Norwegen und Schweden zu finden. Weiterhin gibt es noch die Wikinger-Runensteine. Sie berichten von Fahrten nach England, Rumänien und auch nach Jerusalem.

Gesamtnordische Runentextdatenbank

Die Samnordisk runtextdatabas ist eine 1993 von der Universität Uppsala begonnene Datenbank. Das Ziel ist, einen vollständigen, maschinenlesbaren Katalog von Runeninschriften zu erstellen. In der aktuellen Version aus dem Jahre 2008 sind über 6500 Inschriften enthalten. Die Datenbank sowie der dazugehörige Client Rundata sind für verschiedene Betriebssysteme frei im Internet erhältlich.

Jeder Eintrag der Datenbank enthält den Text, das Format und den Auffindungsort. Weiterhin eine Übersetzung ins Schwedische und wahlweise ins Englische. Auch Daten über den Runenstein an sich mit Verlinkungen zur Datenbank des Riksantikvarieämbetet sowie zu einer dem Raä angegliederten Literaturdatenbank sind enthalten. Die konkrete Suche der Inschriften erfolgt über die Eingabe der Siglen des Katalogs der Sveriges runiskrifter. Alternativ für die Inschriften im älteren Futhark nach dem Katalog von Krause/Jankuhn (KJ) und Moltke/Jacobsen (DR).

Wahlweise ist zudem die Suche durch die Eingabe eines bekannten Suchwortes aus den Inschrifttexten möglich. Dazu zählen die Eigennamen eines Runenmeisters, eines Stifters, Stifterin oder einer Gottheit und bestimmter Formeln. Auch Wendungen und prägnante Formelwörter wie beispielsweise kumbl = „Grab, Grabhügel“ sind möglich. Des Weiteren sind bei der Suche Verfeinerungen durch die Eingabe altnordischer Grapheme (æ,ø,œ,ǫ,ð,þ) wählbar.


Quelle: Wikipedia.de
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