Schiffssetzungen – Brand- und Urnengräber

Schiffssetzungen sind bootumrissförmige Steinsetzungen, die primär im skandinavischen Ostseeraum vorkommen. Durch sie werden Brand- oder Urnengräber markiert. Mitunter wie eine Hütte geformte kleine Steinkisten mit Urnen fanden sich innerhalb oder neben der Schiffssetzung. In der schwedischen Provinz Schonen wurden in einer Schiffssetzung 26 verschiedene Urnen aus mehreren hundert Jahren entdeckt.

Die älteren und großen Schiffssetzungen können in die späte Bronze- und frühe Eisenzeit datiert werden. Eine zweite, aus viel kleineren Steinformaten errichtete Gruppe, in die Wikingerzeit.

Bedeutung und Abgrenzung

Schiffssetzungen – aus bogenförmig angeordneten Bautastein-Reihen – symbolisieren das Schiff, das die Toten in das Totenreich bringen soll. Sie sind nicht nur Begrenzungen der Gräber, sondern auch Teil des damaligen Grabkultes. Schiffssetzungen sind in Verbindung mit einem Grabhügel und Runenstein anzutreffen (als „Dreierkombination“ bezeichnet).

Schiffssetzungen sind zu trennen von den Bootsgräbern der Vendelzeit, von Anlagen wie dem Bootkammergrab von Haithabu, von Schiffsopfern (z. B. Nydam-Schiff) und den wikingerzeitlichen Schiffsgräbern (Ladbyschiff, Oseberg-Schiff) bei denen reale Schiffe als Grabraum verwendet wurden.

Schiffssetzungen - Ales stenar von Westen
Bild: Ales stenar von Westen Die aus 59 Steinen bestehende Schiffssetzung liegt auf einem etwa 37 Meter hohen Hügel direkt an der Ostseeküste beim Ort Kåseberga im Süden Schonens. Der Küstenabschnitt ist von einer steil zum Meer abfallenden Abbruchkante geprägt.

Gestaltung von Schiffssetzungen

Die meisten Schiffssetzungen (oder Schiffssteinsetzungen) bestehen aus Findlingen, die meist Nord-Süd orientiert in der Form eines Schiffsrumpfes aufgestellt wurden. Am niedrigsten sind in der Regel die Steine in der Schiffsmitte. Richtung Bug und Heck können sie bei großen Setzungen, bis zu 4 m hoch werden. Von diesem Erscheinungsbild weichen die Bornholmer Schiffe ab, die nicht aus Findlingen, sondern aus flachen Platten bestehen, die am Boden liegen oder in Form eines Schiffes aufgestellt sind und als Skibsrøser bezeichnet werden. Schiffssetzungen aus Holzpfählen wurden in Ejstrupholm, Snejbjerg und Silkeborg gefunden.

Auf dem Gräberfeld von Domarlunden auf Gotland gibt es eine Schiffssetzung aus Kalksteinplatten und die Anlage von Askeberga/Vad besteht aus 24 bis zu drei Meter hohen Feldsteinen. Einige dänische Schiffssetzungen (wie Glavendrup) tragen am Bug einen Runenstein. Gotländische Schiffssetzungen sind sehr zahlreich. Sie werden bis zu 47 m lang, sind aber nur ausnahmsweise bis zu 1,5 m hoch. Einige Schiffe (z. B. Schiffssetzung von Lugnaro und Schiffssetzung von Slättaröd) wurden mit Stein-Erdehügeln bedeckt.

Schiffssetzungen - GnisvärdBild: Schiffsetzung in Gnisvärd auf Gotland (Schweden)

Urheber: N Stjerna

Die Schiffssetzungen bei Gnisvärd (schwedisch Skeppsättningar auch Ansarve hage – Tofta 14:1 und Tofta 15:1) liegen im Kirchspiel Tofta auf der schwedischen Insel Gotland zwischen der Kirche von Tofta und dem Fischerhafen Gnisvärd an der Westküste der Insel. Sie stammen aus der späten Bronzezeit. Die Schiffssetzungen gehören zu den am besten erhaltenen auf Gotland.

Schiffssetzungen in Schweden
  • Die größte erhaltene Schiffssetzung ist Ales Stenar bei Kåseberga an der Südküste der schwedischen Provinz Skåne. 59 Steine bilden hier ein Schiff von 67 m Länge und mittig 19 m Breite. Die Höhe der Steine liegt am Bug bei 3,3 m, am Heck bei 2,5 m und ist im Mittelteil etwa mannshoch. In Schonen gibt es etwa weitere 50 Schiffsetzungen.
  • Runsa ist eine 56 m lange und 16 m breite Schiffssetzung aus 28 Steinen auf einen Gräberfeld bei Eds in Uppland.
  • Ranes Stenar, ein 55 m langes breitovales Schiff aus 24 Steinen liegt bei Askeberga bei Skövde in Västergötland
  • Bei Badelunda am Anundshög in Västmanland liegen gleich fünf Schiffe. Die beiden längsten sind 54 und 51 m lang und aneinander gebaut.
  • 50 m lang und 14 m breit ist die Schiffssetzung Stenhed bei Gärsnäs in Schonen.
  • Etwa 350 Schiffssetzungen sind auf der Insel Gotland bekannt. Es handelt sich zum Teil um Gruppen mit bis zu fünf Schiffen. Bei Gnisvärd befindet sich mit 47 m Länge die größte Setzung der Insel.
  • 45 m Länge hat die Schiffssetzung bei Ugglarp in Schonen.
  • 44 m Länge hat die Schiffssetzung auf dem Gräberfeld von Nässja in Östergötland.
  • 42 m lang, aber mit den höchsten Bug- und Hecksteinen ausgestattet ist das Schiff auf dem Gräberfeld von Blomsholm in Bohuslän.
  • Einige Schiffssetzungen sind auf Öland z. B. Karums Alvar (Noahs Ark) und auf dem Gräberfeld bei Gettlinge zu finden.
  • Einige kleinere Schiffsetzungen gibt es auf den Gräberfeldern von Årby, Gumhem, Hjortsberga und Hjortahammar, einem der größten skandinavischen Gräberfelder.
  • Die eisenzeitlichen Schiffssetzungen von Böckersboda wurden 1950 restauriert.
  • Die bronzezeitliche Schiffssetzung am Mjösjön in Västerbottens län wurde 1970 restauriert.
  • Nach dem Vorbild öländischer Schiffssetzungen wurde in Norrbottens län 1974 die Schiffssetzung von Nederkalix errichtet. 2008 wurde daneben ein Runenstein errichtet. Sie kommen in dieser Region geschichtlich jedoch beide nicht vor.

Die bereits während der jüngeren Bronzezeit übliche Sitte, den Toten durch eine Schiffssetzung zu ehren, lebt bis zum Anfang der Eisenzeit fort. Diese jüngeren Schiffssetzungen sind verhältnismäßig kurz und aus kleinen Steinen erbaut, die kaum über der Erdoberfläche reichen. Sie kommen auf Gotland und Bornholm vor.

Schiffssetzungen - AnundshögBild: Schiffssetzung Anundshög

Urheber: Gunnar Creutz

Anundshög (auch unter Badelunda bekannt) mit seinen Hügelgräbern, Schiffssetzungen, Steinsetzungen, und dem Runenstein gehört unter den Gräberfeldern der Wikingerzeit zu den größten, bedeutendsten und ist, was Denkmälertypen anbelangt, das mannigfaltigste.

Es liegt bei Västerås im Västmanland in Schweden. Der mächtige Anundshög (Hügel), der größte Grabhügel Schwedens, gab dem Platz seinen Namen. Man bringt ihn mit „Bröt-Anund“ aus der Ynglinga-Saga in Verbindung, der im 6. Jahrhundert gelebt haben soll. Das Gräberfeld wurde von der Völkerwanderungs- bis in die Wikingerzeit (etwa 500–1050 n. Chr.) genutzt.

Schiffssetzungen in Dänemark

Die imposanteste, weil weitgehend erhaltene Schiffssetzung Dänemarks (einst 60 m lang und 12 m breit) steht bei Glavendrup auf Fünen. Ihr ehemaliger Bugstein trägt die längste Runeninschrift Dänemarks. Weitere Dänische Schiffssetzungen oder deren Reste gibt es:

  • bei den Klebæk Høje bei Bække (45 m)
  • in Dyndved (bei Stolbro auf Alsen)
  • zwischen Ferslev und Venslev im Hornsherred (auf Seeland)
  • im Konabbe Skov (auf Langeland)
  • auf Hjarnø (Reste von 10 – ursprünglich 20 Schiffen – das längste 13 m). Die Insel ist benannt nach dem Skalden Hiarne, der der Sage nach im 1. Jahrhundert kurz König von Dänemark gewesen sein soll, da er das beste Grabgedicht auf den verstorbenen König Frode gedichtet hatte. Er soll hier begraben sein.
  • Auf Bornholm befinden sich Schiffssetzungen im Troldskoven und die Hellig Kvinde zwischen Svaneke und Gudhjem.
  • in der Højstrup Mark
  • Lindholm Høje bei Aalborg
  • auf Endelave

Reste großer Schiffe gibt es

  • in Jelling (einst etwa 350 m lang) auf (Jütland)
  • in Gammel Lejre (einst 80 m lang) (auf Seeland)
  • In Färlöv in Schonen wurden die Überreste zweier Schiffssetzungen gefunden, von denen eine zu den größten in Skandinavien gehört. Ihre Länge betrug 80 Meter, die Breite 18 Meter. Beide Setzungen stammen aus dem 8. oder 9. Jahrhundert, also aus der Wikingerzeit.
  • Auf dem Schießplatz von Kabusa bei Ystad wurden die Überreste einer 70 m langen Schiffssetzung gefunden.
  • Die größte Ansammlung wikingerzeitlicher Schiffe, die zumeist nicht solch gewaltige Abmessungen wie die früher entstandenen haben, liegt auf dem Lindholm Høje in Nordjütland.
Schiffssetzungen in Norwegen
  • Schiffssetzung von Agnes
  • Elgesem Gräberfeld mit einer 40 m langen Setzung
  • Gräberfeld von Istrehågan
  • Die Schiffssetzung von Tingvoll
  • Gräberfeld Mølen bei Værvågen
  • Skipssetning in Ullerøy, Østfold
Schiffssetzungen in Deutschland

Die einzigen erhaltenen Schiffssetzungen auf deutschem Boden liegen im Areal des Flächennaturdenkmals „Altes Lager“ bei Menzlin im Landkreis Vorpommern-Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern.

Schiffssetzungen - Alts Lager, MenzlinBild: Wikingerzeitliche Schiffssetzungen bei Menzlin

Urheber: Einsamer Schütze

Auf einer Sandkuppe nahe dem Peeneufer lag im 9. Jahrhundert eine etwa 18 ha große Siedlung. Bei den Ausgrabungen zwischen 1965 und 1969 wurden die Reste einer hölzernen Brücke gefunden und ein Brandgräberfeld ausgegraben. In den Gräbern wurden skandinavische Grabbeigaben, sowie Importe, unter aus Irland und dem Baltikum gefunden. Die Bestattung in acht schiffsförmigen Steinsetzungen, 12 Steinkreisen, 33 Brandgräbern und einer Ustrine (Verbrennungsplatz) entspricht zeitgenössischen skandinavischen Sitten. Nach den Beigaben zu urteilen handelt es sich um Frauengräber. Die Männergräber sind entweder uncharakteristisch ausgestattet oder wurden noch nicht entdeckt.


Quelle: Wikipedia.de
Bilder: Lizensiert unter der Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 nicht portiert
Siehe auch: Gotländische Bildsteine, Stonehenge

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