Oseberg-Stil – Kunststile der Wikingerzeit

Der Oseberg-Stil (auch: Broa-Stil oder Früher Wikingerstil) ist ein wikingerzeitlicher Kunststil in Skandinavien. Sein Verbreitungszeitraum reicht vom Ende des 8. bis zur Mitte des 9. Jahrhunderts. Benannt ist er nach seinen Leitfunden aus dem Schiffsgrab von Oseberg am Oslofjord. Er tritt an hölzernen und metallenen Gebrauchsgegenständen und Schmuckstücken aus dieser Zeit auf.

Oseberg-Stil – Entstehung

Oseberg-Stil - GreifBild: Bandförmiger Vierbeiner (Greif) als Motiv des Broa-/Osebergstils. Zaumzeugbeschlag aus vergoldeter Bronze, Fundort Broa, Gotland, Umzeichnung mit anatomischer Zuordnung.

Aus dem Tierstil I und II entwickelte sich gegen Ende des 7. Jahrhunderts die letzte Stufe, der Tierstil III. Darin sind die Tierformen mit Rankenwerk aus irischen und angelsächsischen Einflüssen angereichert. Sie werden in kurvenreich ineinander verschlungene Muster aufgelöst. Dieser Stil stellt das Endprodukt aus den seit Jahrhunderten verwendeten Motiven dar.

Der entscheidende Impuls zur Entwicklung des Osebergstiles ist die Einführung des so genannten Greiftieres. Dabei handelt es sich um ein nicht näher zu bestimmendes tierartiges Wesen. Seine Formen wurden fließend an die jeweiligen Erfordernisse angepasst. Die Herkunft des Greiftieres ist vielleicht in Löwendarstellungen der karolingischen und angelsächsischen Kunst zu suchen.

Oseberg-Stil – Charakterisierung

Die Kunststile der Wikingerzeit sind Ornamentstile, die sich aus drei Motivbereichen zusammensetzen:

  • Figuren, also Menschen- und Tierdarstellungen (zu denen das Greiftier gehört)
  • Pflanzendarstellungen (Ranken, Blätter)
  • geometrische Figuren (Kreise, Dreiecke, Spiralen)

Oseberg-Stil - VogelBild: Halbnaturalistischer Vogel als Motiv des Broa-/Osebergstils. Zaumzeugbeschlag aus vergoldeter Bronze, Fundort Broa, Gotland, Umzeichnung mit anatomischer Zuordnung.

Der Oseberg-Stil besteht vor allem aus mehr oder weniger stilisierten Tierdarstellungen. Die Motive aus dem Tierstil III sind jedoch durch das Greiftier ergänzt worden. Teilweise sind die Tierfiguren zu langen bandförmigen, ineinander verschlungenen Figuren auseinandergezogen. Mit dem im Oseberg-Stil erstmals auftretenden Greiftier schufen die wikingischen Kunsthandwerker eine Figur, deren Körperpartien man so anordnen konnte, dass sie jede denkbare Form harmonisch ausfüllten.

Die Verwendung des Greiftieres nimmt im Laufe der Entwicklung zu und verdrängt zum Teil andere Motive. Der Name Greiftier leitet sich von der typischen Darstellungsweise ab, bei der die Tatzen des meist kompakt dargestellten Greiftieres entweder in umgebende Elemente der Verzierungen greifen oder sich daran festkrallen.

Im Oseberg-Stil ist das Greiftier noch kompakt mit kurzem Körper und gedrungenen Gliedmaßen. Große Tatzen greifen, oftmals knotenartig verschlungen, in die benachbarten Elemente der Muster, das nächste Greiftier oder den eigenen Körper. Dabei kann es wie bei den Pfosten des Barockmeisters von Oseberg in flächendeckenden Mustern auftreten. Das Relief ist sehr plastisch und weist mehrere Ebenen auf. Dadurch sind im Gegensatz zu Schnitzereien im traditionellen Tierstil völlig neue Licht- und Schattenwirkungen möglich. Typisch für die Greiftiere beim Osebergstil sind – wie bei allen frühen Wikingerstilen – im Gegensatz zum restlichen Körper kleine Köpfe und Tatzen.

 

Voriger Kunststil
Tierstil
Oseberg-Stil
Ende 8. Jh. – Mitte 9. Jh.
Nachfolgender Kunststil
Borre-Stil

Quelle: Wikipedia.de
Bilder: Lizensiert unter der Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 nicht portiert
Urheber: Stefan Bollmann

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