Jelling-Stil – Kunststile der Wikingerzeit (10. Jahrh. bis 975)

Der Jelling-Stil (auch: Älterer Jelling-Stil) ist ein wikingerzeitlicher Kunststil in Skandinavien. Sein Verbreitungszeitraum reicht vom Anfang des 10. Jahrhunderts bis etwa 975. Benannt ist er nach seinem Leitfund aus dem Königsgrab von Jelling in Dänemark. Er tritt an hölzernen, metallenen und steinernen Gebrauchsgegenständen, Schmuckstücken und Runenkreuzen aus dieser Zeit auf.

Jelling-Stil – Entstehung

Jelling-Stil SchwertknaufBild: Knaufkrone und Knaufstange eines Schwertes (Nachbildung). Die ineinander verschlungenen Tiere der Knaufstange sind ein gutes Beispiel für den Jelling-Stil. Fundort Busdorf bei Haithabu, Schleswig-Holstein.

Im 10. Jahrh. intensivierte sich der Kontakt der Skandinavier mit der Durch den im Verlauf der angelsächsischen Welt. Dadurch gelangte auch das Wissen um die Motive von Buchmalern, Steinmetzen und Feinschmieden der Britischen Inseln vermehrt nach Skandinavien. Schmale, langgestreckte Tierfiguren, wie sie auf angelsächsischen Kunsterzeugnissen verwendet wurden, fanden nun Eingang in die wikingerzeitliche Kunst. Die schmalen Tierfiguren lösten das in den bisherigen wikingerzeitlichen Kunststilen vorherrschende Greiftier als wichtigstes Motiv ab.

Jelling-Stil – Charakterisierung

Die Kunststile der Wikingerzeit sind Ornamentstile und setzen sich aus drei Motivbereichen zusammen:

  • Figuren, also Menschen und Tierdarstellungen
  • Pflanzendarstellungen (Ranken, Blätter)
  • geometrische Figuren (Kreise, Dreiecke, Triskelen, Spiralen)

Jelling-Stil gemeinfreiBild: Becher aus dem mutmaßlichen Grab des dänischen Königs Gorm. Höhe 4,3 cm, abgelegt 958/959, Fundort Jelling, Jütland, Dänemark.

Der Jelling-Stil konzentriert sich dabei vor allem auf Tierfiguren. Sie werden besonders schmal und langgestreckt dargestellt. Die bandförmigen, gleich breiten Figuren winden sich meist S-förmig und sind immer im Profil dargestellt. Im östlichen skandinavischen Raum erscheinen sie mehr zusammengerollt. Im westlichen Verbreitungsraum sind sie eher gestreckt. Die Körper der Tiere sind mit einer Art Leitermuster oder perlartig verziert. Gegenüber den gedrungenen Figurendarstellungen der vorhergehenden Stile stellen diese Figuren eine Neuheit dar.

Ein weiteres Kennzeichen des Jelling-Sils sind die Schenkelspiralen. Die Ansätze der Tierbeine sind vom Schenkel ausgehend spiralförmig eingerollt. Charakteristisch sind ebenso Nackenschöpfe. Vom Nacken des Tieres gehen mehr oder weniger lange und gewundene Zöpfe ab. Weiterhin wird der Kopf der Tiere mit offenem Maul und einer für den Jelling-Stil typischen Wulst an der Oberlippe dargestellt.

Besonders beliebt war der Jelling-Stil in Großbritannien und auf der Insel Man. Dort wurden mehrere Runenkreuze in diesem Stil gestaltet.

 

Voriger Kunststil
Borre-Stil
Jelling-Stil
10. Jahrh. bis 975
Nachfolgender Kunststil
Mammen-Stil

Quelle: Wikipedia.de
Bilder: Lizensiert unter der Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 nicht portiert
Urheber: Keeshu

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