Runenstein von Kensington – eine Fälschung?

Der sogenannte Runenstein von Kensington wurde 1898 von Olof Ohman aus Kensington, Douglas County, Minnesota, USA, der Öffentlichkeit präsentiert. Ohman hatte den Stein angeblich beim Ausgraben einer Espe im Wurzelwerk gefunden. Die Inschrift soll die Hinterlassenschaft einer grönländischen Amerika-Expedition der Grænlendingar aus dem 14. Jahrhundert darstellen. Nach Ansicht einiger Experten handelt es sich um eine moderne Fälschung, die Echtheit des Runensteins war aber von Anfang an heftig umstritten. Der Stein befindet sich heute im Runestone Museum in Alexandria.

Runenstein von Kensington – Inschrift

Der Stein besteht aus Grauwacke und hat eine Masse von ca. 90 kg bei einer Höhe von ca. 75 cm, 43 cm Breite und einer Dicke zwischen 10 und 20 cm. Die Inschrift stammt angeblich von einer spätmittelalterlichen grönländischen Expedition aus dem Jahr 1362, Jahrhunderte nach dem Ende der Wikingerzeit, aber auch 130 Jahre vor Kolumbus. Sie lautet:
8 Göter (Götaländer, d. h. Schweden) und 22 Norweger auf Entdeckungsfahrt von Vinland nach Westen. Wir hatten Lager bei 2 Schären, eine Tagesreise nördlich von diesem Stein. Wir waren einen Tag lang beim Fischen. – Nachdem wir heimgekommen waren, fanden (wir) 10 Männer rot von Blut und tot. AVM, befreie (uns) von (dem) Übel!
Auf der schmalen Kantenseite steht:
Haben 10 Mann am Meer, um 14 Tagesreisen von dieser Insel nach unsern Schiffen zu sehen. (Das) Jahr (ist) 1362.

Runenstein von Kensington – Zweifel an der Echtheit

Runenstein von KensingtonBild: Fotografie des Runensteins aus dem Jahr 1910

Früh kamen Zweifel an der Echtheit des Steins auf. Historiker warfen zum Beispiel ein, dass die von der Inschrift geschilderte Szenerie komplett unplausibel sei: Reisende Skandinavier, die inmitten eines fremden Landes entdecken, dass viele ihrer Gefährten erschlagen worden sind, hätten gewiss andere Sorgen gehabt, als aufwendig Runen in einen Stein zu hauen. Einige der sogenannten ersten Experten, die den Stein beurteilten, waren aber erwiesener Weise keine Fachkräfte oder sahen den Stein nicht mit eigenen Augen und urteilten aus zweiter Hand.

Einige dieser Gelehrten waren bald der Meinung, dass der Text eine krude Mischung aus skandinavischen Sprachen und Englisch sei, verfasst von jemandem, der keine Kenntnis der altnordischen Sprache besitzt. Olof Ohman, ein einfacher Bauer, der selbst fast keine Schulbildung hatte, besaß allerdings ein schwedisches Handbuch mit dem Titel „Der kenntnisreiche Schulmeister“, das auch ein unvollständiges Kapitel über Runen beinhaltete, und hier fand sich ein Vaterunser mit der Zeile „und erlöse uns von dem Übel“ in genau der Form, die sich auf dem Stein von Kensington findet. All diese Umstände trugen zu heftigen Debatten bei die über ein Jahrhundert andauerten und bis heute nicht eindeutig geklärt sind. Auffällig ist außerdem die konsequente Missachtung altnordischen Vokabulars, der Syntax, der Grammatik und der Runen­formen. Außerdem finden sich auf anderen Runensteinen keine Kalenderjahre in Ziffern, sondern Regierungsjahre, und Zahlen werden als Wörter ausgeschrieben.


Allgemeine Informationen zu Grundtypen, Schrifttypen und Verbreitung von Runensteinen.
Quelle: Wikipedia.de
Bild: Gemeinfrei
Die hier beschriebenen Runensteine sind nicht gleichzusetzen mit den irrtümlich als Runensteine bezeichneten Runenstäben.

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