Gotländische Bildsteine aus dem 5. bis 14. Jahrhundert

Gotländische Bildsteine ist die Bezeichnung für hohe Steine mit bildlichen Darstellungen auf Gotland in Schweden. Bisher sind 442 Bildsteine bekannt, einige wenige davon in benachbarten Regionen (Öland, Kurland). Sie stammen aus dem 5. bis 14. Jahrhundert. Die Steine sind zwischen etwa 50 und 350 Zentimeter hoch. Sie sind mit figürlichen und schematisierten Darstellungen und mit teilweise reichhaltigen Ornamenten versehen.

Gotländische Bildsteine – Vorgeschichte

Der Ausgangspunkt der Bildsteine ist nicht zu klären. Die einheimische Steintradition und Impulse aus Kontinentaleuropa könnten eine Rolle gespielt haben. Eine völlig eigenständige Entwicklung ist jedoch auch möglich.

Gotländische Bildsteine - Bildstein von Stora HammarsBild: Bildstein von Stora Hammars

Urheber: Jürgen Howaldt

Spätgotländische Bildsteine haben Ähnlichkeit mit den figurenreichen festländischen Runenritzungen. Die jüngsten Exemplare sind selbst Runensteine in Form von Bildsteinen.

Die Kunst auf Gotlands Bildsteinen stand auch nicht einzig da. Sie zeigte sich z.B. auch auf den Wandteppichen von Överhogdal mit zahlreichen figürlichen Darstellungen. Parallelen finden sich auch auf den Steinen der Grabkisten.

Die vom 6. bis 12. Jahrhundert n. Chr. vorkommenden Monumente verschwinden in der älteren Form mit der Christianisierung. Diese Monumente wurden auf Gotland auf heidnischen Friedhöfen und auf dem Festland (dort vermutlich umgesetzt) auch in Kirchen gefunden.

 

Gotländische Bildsteine – Datierung

Die Datierung der ältesten Bildsteine ins 5. Jahrhundert wurde durch die Archäologin Karin Äijä gesichert. Sie entdeckte 1979 auf dem Friedhof von Uddvide ein Grab. In dessen Begrenzung war ein bei der Bearbeitung zerbrochener Gotländischer Bildstein eingebaut. Dieser muss mindestens so alt wie die Grabanlage und die enthaltenen Gegenstände sein. Das Grab enthielt Fibeln aus dem 5. Jahrhundert.

Gotländische Bildsteine – Typen
  • Typ 1, 400–600 n. Chr.: hohe Steine mit leicht konvexer Oberkante und schwach nach innen gebogenen Seiten, oben axtförmig verbreitert. Die Darstellungen sind ausschließlich geometrisch und ornamental verziert. Motive sind häufig ein von Tieren umgebenes Wirbelrad oder Mehrfach-Spiralen.
  • Typ 2, 500–700 n. Chr.: niedrige Steine („Zwergsteine“, etwa 50 bis 75 cm), axtförmig. Die Darstellungen sind als Umrisslinien geritzt und verwenden erstmals gegenständliche Elemente: Tiermotive (Vögel), Segelschiffe.
    Beispiele: Bildstein von Priediens, Bildstein von Smiss (Garda)
  • Typ 3, 700–1100 n. Chr.: hohe Steine (etwa 270 bis 320 cm), mit einem trapezförmigen Rumpf und einem rundlichen Kopf (phallisch). Die Darstellungen sind als Reliefs ausgeführt. Sie zeigen in mehreren Reihen bildhafte Szenen: Kampfszenen, Männer auf Pferden, die teilweise von Frauen mit Trinkhörnen empfangen werden, ein großes Schiff. Die Motive sind der Götter- oder Heldenüberlieferung zuzurechnen. Es gibt reiche Verzierungen (z. B. Valknut).
    Beispiele: Bildstein von Ardre, Bildsteine von Stora Hammars und Bildstein von Stenbro.
Gotländische Bildsteine in anderen Regionen
  • Uppland
    1632 fand der Reichsantiquar Johannes Bureus drei Teile eines Bildsteines auf dem Friedhof von Norrsunda in Uppland. Er und der Vorgeschichtler M. Aschaneus zeichneten und publizierten den Stein. Leider ging der Stein verloren.
    Der Stein hat gotländische Form und die Runen machen eine Aussage zur Herkunft. Der beschädigte Text lautet in der Übersetzung: „… sie führten diesen Stein aus Gotland … und … nach … sein Bruder. Er besaß diesen …„. Der Stein ist wahrscheinlich als zugehauener Rohling von Gotland gekommen. In Uppland wurde er geritzt und mit Runen versehen. An der Basis hatte er eine Breite von etwa 70 cm, aufgerichtet hatte er eine Höhe von 1,4 m.
  • Öland
    Für Export von Bildsteinen aus Gotland sprechen auch zwei Funde aus der Kirche von Köping auf Öland. Von dem wikingerzeitlichen Handelsplatz stammt ein auf beiden Seiten mit Ritzungen versehener Stein gotländischer Form, sowie das Unterteil eines zweiten offenbar ähnlichen Steines. Die erhaltenen Runen des 92 cm hohen Sandsteinblockes sprechen jedoch nicht für gotländische Herkunft. Auch scheint die Ornamentik öländisch zu sein. Die Datierung wurde auf 1000–1100 n Chr. vorgenommen. Der Runentext lautet in der Übersetzung: „Asgot und (Torsten errichteten diesen Stein) für ihren Vater Öste.
  • Kurland
    Der Bildstein von Priediens wurde nahe Grobin im baltischen Kurland gefunden. Er stammt aus dem 7. Jahrhundert und ist der älteste Export. Bei den Steinen aus Kurland, Öland und Uppland handelt es sich wohl um exportierte Halbfabrikate.
  • Piktensteine in Schottland
    In Europa gibt es noch eine weitere Gruppe von Bildsteinen, deren Bildanteil primär Symbole zeigt. Mitunter heben sie sich aber auch aus dem Bereich des Symbolhaften heraus. Dazu gehören die schottische Kreuz- oder irische Pillarsteine und die Piktensteine in Schottland.

Quelle: Wikipedia.de
Bilder: Lizensiert unter der Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 2.0 Deutschland
Siehe auch: Stonehenge

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