Runensteine von Haithabu – Sigtryggsteine und Svensteine

Die Runensteine von Haithabu stellen wertvolle historische Urkunden dar, deren Bedeutung darin liegt, dass die Frühgeschichte im südlichen Dänemark aus der Zeit vor und nach der dänischen Reichseinigung mit realen Ereignissen verbunden werden kann. Der Sinn von Runensteinen ist es, der Nachwelt die Erinnerung an bedeutende Männer zu überliefern. Die Aufrichtung solcher Gedenksteine beschränkt sich deshalb auf einen sozial gehobenen Kreis. Die vier auf die Stadt Haithabu zu beziehenden Runensteine sind im Wikinger-Museum Haithabu ausgestellt. Sie werden in zwei Gruppen eingeteilt, die „Sigtryggsteine“ und die „Svensteine“.

Runensteine von Haithabu - SigtryggsteineBild: Runensteine von Haithabu – Die Sigtryggsteine
Die ältere Gruppe wird durch die von einer Königin namens Asfrid für ihren Sohn Sigtrygg gesetzten Steine repräsentiert und stammt aus der Mitte oder der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts.

Runensteine von Haithabu – Der große Sigtryggstein

Der 1797 entdeckte Stein lag an der Furt zwischen dem Haddebyer und dem Selker Noor. Seine Inschrift ist in schwedischen Runen geritzt. Man benutzte einen Stein, der wohl bronzezeitliche Zeichen trug. Der Text lautet:
Asfrid machte dieses Denkmal nach (zum Gedenken an) Sigtrygg, ihren und Knubas Sohn.

Runensteine von Haithabu – Der kleine Sigtryggstein

Der im Jahre 1887 in den Fundamenten einer Bastion des Schlosses Gottorf eingemauert gefundene zweite Runenstein ist kleiner als der erste. Die Runen stammen von einem dänischen Runenmeister. Die Inschrift lautet:
Asfrid, die Tochter Odinkars, machte diese Denkmäler nach (zum Gedenken an) König Sigtrygg, ihren und Knubas Sohn. Gorm ritzte die Runen.

Runensteine von Haithabu – Der Skarthestein

Der 1857 südlich des Ortes Busdorf an der alten Landstraße gefundene Stein lag an der Stelle, an der die Straße zwischen den Grabhügeln „Twebargen“ hindurchführt. In der Grabgrube des etwa 3 m hohen Hügels fand man 1889 die Reste eines Holzsarges, Spuren eines Skelettes, kleinere Eisenreste und ein Stück Leder mit gepresster Ornamentik. Es handelt sich um eine Bestattung der jüngeren Wikingerzeit, deren genaues Alter sich aber nicht ausmachen ließ. Dass sie zu dem Runenstein gehört, ist zwar nicht sicher, aber wahrscheinlich. Die Inschrift des Steines ist in altdänischer Sprachform gehalten und von einem Typ, der etwas jünger ist als die der berühmten Runensteine von Jelling. Sie lautet:
König Sven setzte diesen Stein nach (zum Gedenken an) Skarthe, seinem Gefolgsmann, der nach Westen (England) gefahren war, aber nun fiel bei Haithabu.

Runensteine von Haithabu - SkarthesteinBild: Der Skarthestein (Skardesten) im Wikingermuseum Haithabu
Urheber: Viciarg

Welcher König Sven gemeint ist, lässt sich nicht sicher entscheiden. Entweder war es Sven Gabelbart oder Sven Estridsen. Sowohl nach der Namensform als auch nach der Art der Runen und dem Schrifttyp sind theoretisch beide möglich. Nimmt man jedoch an, dass das im Grabhügel (neben dem Runenstein) gefundene Grab die Reste Skarthes enthält, dann kann es sich nur um Sven Gabelbart handeln, denn zur Zeit Sven Estridsen war die Errichtung großer Grabhügel, für die Sven Gabelbart steht, nicht mehr üblich. Das Wiederaufleben heidnischer Sitten lässt sich während der Herrschaft Sven Gabelbarts auch an anderen Stellen beobachten.

Welches historische Ereignis den Hintergrund für den Tod Skarthes bildet und den König persönlich nach Haithabu brachte, ist nicht mit Sicherheit zu bestimmen, da Haithabu bereits vor dem Jahre 986, als Sven König wurde, zum dänischen Reichsgebiet gehört haben soll.

Runensteine von Haithabu – Der Erikstein

Der bereits 1796 gefundene zweite Stein dieser Gruppe ist der so genannte Erikstein. Er wurde auf dem Kreuzberg, einer Anhöhe zwischen Haithabu und dem Königshügel, gefunden. Auf seiner Kuppe befanden sich ursprünglich zwei große und ein kleiner Grabhügel. Zwischen den großen Grabhügeln lag der umgefallene Stein. Bei Grabungen fand man Spuren von Brandbestattungen, aber nichts, was als Bestattung eines wikingerzeitlichen Häuptlings aufzufassen wäre.

Runensteine von Haithabu - Nachbildung des EriksteinesBild: Nachbildung des Eriksteins zwischen Busdorf und Selk
Urheber: Fonzie

Die Inschrift des Steines lautet:
Thorolf, der Gefolgsmann Svens, errichtete diesen Stein nach (zum Gedenken an) seinem Genossen Erik, der den Tod fand, als die Krieger Haithabu belagerten, und er war Steuermann, ein wohl geborener Krieger.

Nach Sprachform, Runen und Schrifttyp ist der Erikstein gleichaltrig mit dem Skarthestein. Diese Gleichzeitigkeit der Steine legt den Schluss nahe, dass der Sven des Skarthesteines und der Sven des Eriksteines identisch sind und sich daher beide Monumente auf eine Belagerung Haithabus beziehen. Wann diese stattgefunden hat, ist dagegen unklar. Geht man davon aus, dass Sven und Skarthe gemeinsam „nach Westen“ gefahren waren, so grenzt sich das Ereignis immerhin auf den Zeitraum zwischen der ersten Englandfahrt Svens im Jahre 1003 und seinem Tod im Jahre 1014 ein.


Allgemeine Informationen zu Grundtypen, Schrifttypen und Verbreitung von Runensteinen.
Quelle: Wikipedia.de
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Die hier beschriebenen Runensteine sind nicht gleichzusetzen mit den irrtümlich als Runensteine bezeichneten Runenstäben.

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